Die verstrickte Dienstagsfrage Woche 9/2015

Es ist Dienstag, da schweift der Blick hinüber zum Wollschaf:

Hat sich Dein Strickgeschmack im Laufe der Jahre hinsichtlich der verwendeten Garne, der bevorzugten Projekte und/oder der Art der Modelle verändert?
Was hast Du früher ge- bzw. verstrickt, was strickst Du heute und worauf führst Du den Wandel -sofern es einen gibt- zurück?

Ja, so arg lange stricke ich ja noch gar nicht 😉

Ich habe das Stricken (wieder)erlernt von einer Bekannten, die selbst sehr sehr bewusst, reduziert und hinsichtlich Tierhaltung definitiv streng ökologisch/artgerecht lebt. So stand es schon von der ersten Masche an zur Diskussion, wie Wolle produziert und Schafe gehalten werden. Finkhof Wolle war die erste und wird auch in Zukunft immer wieder verwendet werden – wobei die Drutschmann Wolle wirklich, wirklich eine hervorragende Alternative ist.

Ich wollte stricken lernen um Kleidung, vor allem Pullover herzustellen. Das hat sich bis heute nicht geändert. Ich habe mich zwar schon an Tüchern versucht, aber die Motivation ist bei Pullovern schon deutlich höher. Wobei- das Sockenstricken hat mir erstaunlich viel Freude gemacht und ist etwas, das ich vor 3 Jahren absolut abgelehnt hätte! Hier hat es die Zeit gebraucht, bis ich das realisiert hatte.

Ich bin sehr gespannt, wie ich diese Frage in 3 Jahren beantworten werde.

Ravello by Isabell Krämer  Work in Progress

Helft ihr uns bei lalylalas Häkelquallengewinnspiel?

Hey,

Ich hatte euch vor einer Weile die neuen Häkelquallen gezeigt 🙂
Jetzt läuft das Gewinnspiel, bei dem alle Teilnehmer*innen ein Häkelbuch gewinnen können.

Nun, es wäre kein Drama wenn nicht, aber vielleicht könnten wir ja das eine oder andere Objekt daraus fertigen und euch zeigen, von daher wäre es toll, wenn ihr bei unserem Bild einen Daumen hoch gebt.

Hier gehts zur Abstimmung

Unser Bild ist das erste, wir nahmen unsere Quallen mit zu einer Skulptur, die regelmäßig von Strickbegeisterten eingestrickt wird ❤

Danke für eure Hilfe!

Habt einen schönen Samstag.

Cowl Nummer 3 :)

Kurz und schnell –
Nummer 3 für Matze:

Biker's Wintercowl

Ich strickte in grau: Eine nicht näher definierte lokale dreifädige Schurwolle und einen Faden Drops Alpaca mittelgrau

Ich strickte in Kontrast: Finkhof Merino dünn in rotmeliert und einen Faden Drops Alpaca dunkelgrau

Das Ergebnis ist ein sehr sehr anschmiegsamer Cowl, warm und wattig weich ❤

Nun fehlt noch einer für K2. Dies wird wohl mein Wochenendprojekt werden. Ich muss mal schauen, was der allgemeine Wollstash noch so hergibt. Ich fand die Mischung aus Schaf- und Alpakawolle wirklich hochgradig kuschelig. Vielleicht invertiere ich diesmal, mit dunklem Rand und grauem Kontrast. Ich bin gespannt!

Die verstrickte Dienstagsfrage Woche 6/2015

Ups, da war es auf einmal Dienstag Nachmittag.

Ein erkältetes Kind und eines mit einem beinahe gebrochenen Zeh können mich durchaus ein wenig in die Bredouille bringen.

Doch hier ist sie 🙂 Die Dienstagsfrage und meine Antwort darauf:

Wie wichtig sind Dir beim Garnkauf Kriterien wie geprüfte Schadstofffreiheit, organisch, nachhaltige Herstellung, Fair Trade u.ä.?
Achtest Du auf entsprechende Gütesiegel?

Nun, Stammleser*innen dieses Blogs kennen die Antwort schon. Nichts desto trotz erkläre ich gern nochmal, warum uns diese Frage so wichtig ist.

tl;dr: Am besten regional und bio, aber wenn es “sein muss”, dann mulesingfreie Schurwolle aus Südamerika. No-Go: alles aus Australien. Spinnfasern kommen aus Europa.

Wie wichtig ist mir die “Geschichte des Garns”?

Extrem wichtig. So wichtig, dass ich einen Großteil handelsüblicher Garne gänzlich ablehne zu kaufen.

Wir versuchen hier, ein möglist plastikfreies Leben zu führen. Das bedeutet nicht, dass wir alles aus Jute, Holz und Schnörkeleien haben, mitnichten. Doch kann man in vielen, vielen Aspekten des Alltags natürliche Alternativen zu Plastik verwenden. Für das, was einen Großteil meiner geringen Freizeit bestimmt (stricken, spinnen), sind mir also Fasern von Schafen und anderen Fasertieren lieb. Bei Mischungen setze ich, wenn es sein soll, auf maximal halbsynthetische Fasern. Doch eigentlich weiß ich zu wenig über die ökologischen Randbedingungen, die die Synthese von Bambusfasern, Sojaseide,  und anderen mit sich bringen und setze, wenn ich die Wahl habe, auf ausschließlich Tierhaare zur Verarbeitung.

Im besten Fall wurden diese dann so artgerecht wie möglich gehalten. Schafe in Wanderschäfereien zum Beispiel. Hier liebe ich die Wolle vom Finkhof oder der Schäferei Drutschmann, die ist sogar aus kontrolliert biologischer Tierhaltung.

Ich denke aber, dass es viele Schafhalter*innen gibt, die keine Zertifizierung haben und ihre Tiere dennoch gut und richtig versorgen. An so einem Siegel (auch andere Gütesiegel zur Schadstoffbelastung) hängt in der Regel auch eine nicht geringe Gebühr, die sich so manch kleiner Betrieb einfach nicht leisten kann oder will.

Fast ebenso wichtig wie eine artgerechte Haltung ist mir Regionalität.  Wenn ich die Möglichkeit habe, rohe Alpakawolle aus der Umgebung zu bekommen, dann bin ich darüber natürlich mehr als verzückt. Die würde ich dann nicht aus Peru kommen lassen. Geht es mir aber darum, ein Kleidungstück aus möglichst gleichmäßiger Wolle herzustellen und soll es dazu noch “schnell gehen”, dann kaufe ich auch mal industrielles Garn, natürlich! Wenn es finanziell gerade machbar ist, ist fairAlpaka erste Wahl, aber auch Drops Wolle kommt aus Peru und die Alpakas dort werden in der Regal ganz vernünftig behandelt. Über den Stress beim Scheren kann man sich streiten, aber auch hier vertraue ich erstmal den Leuten, die tagtäglich mit den Tieren Umgang haben.

Was ich gänzlich ablehne ist Wolle, von der ich nicht weiß, aus welcher Region sie kommt. Viele industrielle Sockenwollhersteller geben nicht bekannt, wo ihre Schurwolle herkommt. Steht nichts da, wird nicht geantwortet, dann gehe ich davon aus, dass australische oder neuseeländische Merinowolle verarbeitet wurde. Das freiwillige Verbot, auf Mulesing zu verzichten ist mir schlicht zu wenig. Australische und neuseeländische Wolle will ich nicht. Punkt.

In Südamerika wird kein Mulesing betrieben. Diese Wolle hat eine sehr ähnliche Feinheit zur australischen und stellt somit eine Alternative für mich dar, wenn ich ein bestimmtes Garn brauche. Drops zum Beispiel beziehen ihre Merinowolle aus Südamerika. Malabrigo und Rosy Green auch, um mal ein paar bekannte Hersteller zu nennen.

Bei Spinnfasern setze ich auf Wollknoll als Lieferanten. Hier habe ich immer sofort Antwort bekommen, bei allen Nachfragen zur Herkunft der Spinnfasern und Garne. Sie beziehen ihre Schurwolle aus Südamerika. Spinnfasern interessieren mich eigentlich nur europäische, da braucht man den ökologischen Fußabdruck nicht unnötig belasten. Falkland, Milchschaf, Eiderwolle, BFL, Gotlandwolle… Die Vielfalt ist groß. so groß, dass Australmerino oder Polwarth für mich gestrichen sind.

Ich glaube, das reicht um zu ahnen, was bei uns geht und was nicht. 🙂

Pure Ignoranz.

Selbst schuld! Ja, selbst schuld. Mitleid ist gänzlich unnötig.

Hier eine allabendliche 19:00 Comedy aus dem Wollstash:

(Eingespieltes Lachen)

Als ich mit dem zweiten Ärmel des Kaarina Teststricks zur Hälfte fertig war, stellte ich fest, dass mein zurückgelegtes Garn (Finkhof Merino dünn natur- dunkelbraun) ein altes war. Hierzu muss ich erzählen, dass die Schäfereigenossenschaft vor einer Weile die Spinnerei gewechselt hat und dadurch die Garnstärke sich leicht verändert hatte. “Früher” war alles ein klein wenig dicker. Ein wiiinziges bisschen. Aber hey, der Pullover soll wunderschön werden, da gehe ich kein Risiko ein. Da ich die Info hatte, blieb der Strang als Strang und in den Tiefen des Stashs fand ich noch ein bereits zum Knäuel gewickeltes Reststück der gleichen Wolle und befand, ohne Banderole (!!!!!!!!!), dass das die gleiche Garnstärke wie der Rest des Pullovers sei.

(Eingespieltes Lachen)

Ich strickte also das neue Garn an und … naja. Es fühlte sich anders auf den Nadeln an. Hey, das lag bestimmt daran, dass es so lange als Knäuel gelagert war. Die Fasern waren viel zu gepresst.

(Eingespieltes Lachen)

Ich strickte weiter und ignorierte, dass das Garn sich anders verhielt. Hundert Gründe kamen in den Kopf und alle tat ich ab mit “Wenn ich den Pullover dann weiche, wird das genauso schön wie der Rest”.

(Eingespieltes Lachen)

Gestern Abend dann, als ich die erste Farbe des Colorwork ansetzen wollte und den Ärmel vor mir ausbreitete, stutzte ich:

Falsches Garn

Falsches Garn

 

Hm. Das neu angestrickte Knäuel setzt sich aber deutlich ab!

(Eingespieltes Lachen)

Na, beim Weichen wird das sicher…. ihr wisst schon.

(Eingespieltes Lachen)

IGNORANZ! Das war pure Ignoranz. Schon nach 2 Maschen WUSSTE ich, dass es nicht gehen wird. Aber meine ignorante “Ach, das geht schon” Haltung hat voll zugeschlagen. Die wiiiinzige Garnstärke, die es mehr hat als das neue, bewirkt, dass der Ärmel locker 4cm mehr Umfang hat als der erste. Der Farbunterschied ist auf dem Bild deutlicher als real, das wäre gar nicht so wild. Aber dass der Ärmel plötzlich dicker ist, das geht gar nicht.

(Eingespieltes “Ohhhhhhhhh”)

Schnief. Mitleid wäre doch ganz schön.

Ich habe dann gestern neues Garn bestellt. Ich hoffe, es ist Samstag da. Mein Plan, den Pullover Freitag fertig zu haben, ist somit erstmal gescheitert.

Meine Lektion habe ich gelernt. Ignoranz ist leicht, aber am Ende führt sie zu Frust.

Nun brauche ich ein Zwischenprojekt. Ich tauche mal in den Stash ein.

/Anke