Die verstrickte Dienstagsfrage Woche 14/2015

Es ist Dienstag, ein Orkan wütet über Europa und da ist es wohl das beste, man vergräbt sich mit Wolle in eine Decke und hofft, dass alles ganz bleibt.

Angenommen Du hättest die Möglichkeit, einen “Strickmenschen” Deiner Wahl persönlich zu treffen (egal, ob bereits verstorben oder noch lebendig).
Wen würdest Du wählen und warum?

Darüber sollen wir also heute nachdenken.

Ich habe nachgedacht und finde, es wäre schön, Emma Jacobsson zu treffen.

Kennt ihr nicht?

Sicher gibt es mehrere Personen, die diesen Namen tragen. Ich meine aber die Gründerin der “Bohus Stickning” Gemeinschaft.

Emma Jacobsson organized Bohus Stickning in 1939 to provide relief work for women in the economically depressed Bohuslan district. Bohus knitting became world famous for producing designs of the highest quality, typically made from angora wool. Jacobsson closed Bohus Stickning in 1969. The Swedish economy had improved; women had more options for better paying work; the designs themselves had become so complex that  many women found them too difficult to knit; and the popularity of cheaper, synthetic materials was revolutionizing the market. via Angoragarnet

Emma Jacobsson gründete also “Bohus Strickning” während des 2. Weltkrieges aus wirtschaftlicher Not. Die Frauen aus Göteburg und des Bohus Gebietes, entwarfen extrem schöne, weltbekannte Fair Isle Muster, vor allem aus Wolle vom Angorakaninchen. 1969 wurde die Gruppe wieder aufgegeben, da sich die Wirtschaft stabilisierte und künstliche Materialien beliebter wurden als natürliche und hochpreisige Fasern.

Photo: Bohusläns museum

Photo: Bohusläns museum

Das Geschäft bestand daraus, edle Strickanleitungen und edle Fasern zu Strickerinnen im Bohus Bezirk zu vergeben, die fertigen Pullover, Mützen, Sets, Handschuhe oder Schals anschließend zu inspizieren und dann in die europäischen Großstädte zu liefern. Eine perfekte Balance aus Kreativität, Können, sozialem Netzwerk und Wirtschaftlichkeit entstand.

Emma selbst war eine Österreicherin, ausgebildete Botanikerin und Kunsthistorikerin. Während ihres Studiums in Berlin lernte sie ihren späteren Mann kennen, der letztlich Bürgermeister von Göteburg wurde, der Hauptstadt des Bohus Distrikts.

Photo: Bohusläns museum

Photo: Bohusläns museum

Sie gab für ihre Rolle als Frau des Bürgermeisters ihre eigene Karriere auf, pflegte aber viele Freundschaften zu Natur- und Kunstwissenschaftlern. Doch ihre politische Situation war es, die “Bohus Strickning” letztlich zum Erfolg führte. Als Augusta Teng und Helga Karlsson, zwei Aktivistinnen gegen Armut und Arbeitslosigkeit, bei ihr anfragten, wie man die Frauen der Umgebung und der umliegenden Dörfer in bezahlte Arbeit bringen könnte. Clara Clavinn, eine enge Freundin Jacobssons, wurde beauftragt, den Frauen Kurse zu geben. Es wurde viel versucht, von Puppen über Dekoration bis hin zum Stricken. Letzteres wurde erfolgreich.

Das Kursnetzwerk erstreckte sich weit in die ländlichen Bereiche und die Heimarbeiterinnen sandten dauerhaft Delegierte nach Göteburg, um den Kontakt über die weiten Strecken erhalten zu können. Mitunter waren somit Frauen mehrere Tage nicht zu Hause um Vollzeit zu arbeiten- in der damaligen Zeit eine regelrechte Revolution!

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Photo: Bohusläns museum

Emma Jacobssen und ihre Freundinnen Vera Bjurström und Anna-Lisa Mannheimer Lunn entwarfen die Muster und Anleitungen, die sehr poetische Namen tragen und von einem filigranen, ausladenden Fair Isle Design geprägt sind, welches durch die langen Angorafasern gezielt verschwimmt. Eine solche Optik ist auch heute noch einzigartig für das “Bohus Strickning”.

In den letzten Jahren hat es sich Solveig Gustafsson zur Aufgabe gemacht, die originalen Anleitungen wieder zu reproduzieren und in moderne Anleitungen umzuschreiben. Zudem hat sie mit viel Liebe zum Detail die originalen Farbtöne nachgefärbt und die Formeln dafür dokumentiert. Gemeinsam mit einer im Bohus Gebiet liegenden familiären Angorazucht und dem Bohuslän Museum sind die Stricksets nun auch heute wieder erhältlich, wenn auch in sehr begrenzter Zahl.

Ja, das finde ich faszinierend. Gern würde ich mit Emma Jacobsson und all ihren Freundinnen zusammensitzen, Angoragarn stricken und über Muster, Farben, Stricken und die Rolle der Frau in ihrer Zeit reden.

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Die verstrickte Dienstagsfrage Woche 5/2015

Da ist es wieder, das Wollschaf.

Eigentlich noch voll im Winterschlaf (so wie ich ein bisschen) und ziemlich frierend (so wie ich immer) stellt es heute folgende Frage:

Habt Ihr genau jetzt, in dem Augenblick, da Ihr diese Frage lest, etwas Selbstgestricktes an? Wenn ja, was? Und vielleicht könnt Ihr ja ein Foto machen?

Hmmm, natürlich trage ich selbst gestricktes 🙂

Hier drinnen ist es mein neuer Pullover, der mich wärmt:

Il grande favorito

Draußen geht im Moment nichts über meine im Sommer gestrickten Fair Isle Handschuhe und die Blättermütze – na huch, die ist ja hier noch in grau. Ich hab sie doch blau gefärbt! Na, dann muss ich das mal noch nachreichen.

Die verstrickte Dienstagsfrage 48/2014

Hu, drüben beim Wollschaf schneit es schon.  So eine Webseitenanimation habe ich ja seit Jahren nicht gesehen *hüstel* 😉

Ich mag Schnee nicht, sagte ich das schonmal?

Na, die heutige Frage ist jedenfalls:

Ich habe einen Traum. Seit Jahren schon.
Ich möchte mir einen Fair Isle-Pullover mit Steeks und allem drum und dran stricken.

Das zweifädige Stricken ist dabei kein Problem, wohl aber ein Schnitt, die Anfertigung des Mustersatzes, die Steek-Technik und bestimmt auch andere Dinge, von denen ich noch gar nichts weiß.

Meine Frage geht an erfahrene Fair Isle-Strickerinnen: was empfehlt ihr mir an Studierunterlagen? Gibt es Bücher in Deutsch? Ich suche außerdem ein PC-Programm in dem man Farbmuster erstellen bzw. bearbeiten kann. Gibt es so etwas überhaupt?

Nun, Anja, wenn die Fadenführung klar ist und Musterstricken prinzipiell kein Problem darstellt, dann ist die halbe Miete doch schon eingenommen.

Musterbeispiele gibt es im Netz viele. Als Inspiration sollte eine Bildersuche mehr bringen als das Durchblättern unzähliger Bücher. Bücher in deutsch gibt es viele, da ich selber gern Fair Isle stricke, habe ich in der Bibliothek schon einiges angesehen. Ich allerdings bin nach 3 Seiten frustriert, wenn die geballte Ladung an Mustern mich überfordert. Deswegen möchte ich kein Buch empfehlen.

Was die Unterstützung eines PCs zur Musterbearbeitung angeht, so weiß ich aus Foren, dass Excel gut geeignet ist. Es gibt auch Spreadsheets, die dir die Arbeit erleichtern können. Wenn du auch nur halbwegs englisch kannst, kann dir auch so ein Tutorial nützlich sein.

Zum Steeking kann ich gar nichts sagen. Ich kenne ein paar Videos, die zeigen, wie es geht. Eigene Erfahrung habe ich nicht gemacht, von daher- ich bin gespannt, was du hier für Hilfe bekommst.

Als Schnitt für deinen Pullover nimmst du am besten eines, mit dem du bisher gute Erfahrung mit Passform gemacht hast. Mein Elementary zum Beispiel hat einen sehr guten Sitz. Pass nur auf die Maschenprobe auf. Viele Menschen stricken zweifarbig fester oder lockerer als sonst.

Ansonsten, viel Spaß und Erfolg beim Fair Isle stricken!

/Anke

Was für ein praktisches Helferlein

Ich mag ja das mehrfarbige Stricken. Das solltet ihr mittlerweile wissen, und alle, die es noch nicht wussten, tun es jetzt.

Mehrfarbig stricken ist COOOOL.

Es ist die dritte Stufe des Färbens, finde ich. Erst färbe ich Fasern, in ähnlichen Nuancen, vielleicht mit leisem Kontrast. Clever versponnen, wird ein Garn daraus, welches eine erstaunliche Farbtiefe hat. – Vertrickt man so ein Garn nun mit anderen, passenden Garnen, entsteht ein Feuerwerk an Pigmenten, ohne laut oder aufdringlich zu sein, das geht auch ganz subtil.

Aber wie ein(e) Impressionist(in) Pinselstrich an Pinselstrich setzt, mit immer neuen Pigmenten, so passiert das auch im Strickbild. Masche für Masche.

Ich genieße das sehr.

Aktuell habe ich einen Teststrick auf den Nadeln, der geheim geheim ist und deswegen gibt es keine Details, aber ich kann schonmal einen gaaaanz unverbindlichen Link rüber zu Isabell setzen. Vielleicht findet der/ die eine oder andere ja, was sich hier abbildet:

Strickfingerhut

Strickfingerhut

Worauf ich eigentlich den Fokus lenken will ist dieses kleine metallene Dings an meinem Finger.

Ich habe dieses Hilfmittel zur Fadenführung ( “Strickfingerhut”) mal irgendwo im Netz auf irgendeinem Strickblog gesehen und es ging mir nicht aus dem Kopf.

Eigentlich hielt ich es für Mumpitz, aber es ließ mir auch keine Ruhe. Ich ging eigentlich davon aus, dass die Fadenspannung gänzlich unkontrollierbar wird, wenn sie nicht direkt am Finger anliegt. Da war ich mir sicher. Total.

Ne. Ist nicht so. Die Spannung zu halten ist total einfach, das Dings ist absolut intuitiv und eine unglaubliche Hilfe beim Fair Isle stricken. Genial. Wenn ich das beim Elementary schon gehabt hätte. Oder bei dein Handschuhen! *seufz*

Jetzt habe ich es, und mit etwa 3 Euro gibt es so einen Strickfingerhut in jedem gut sortierten Handarbeitsladen.

Könnt ihr kaufen. Ihr habt mein Okay 🙂

/Anke

Von den Nadeln gehüpft: Rainbow Mitts von Drops Design

Fertig Fertig Fertig!

Im Moment haben wir zwar 25°C, dennoch ist Oktober und ich weiß, dass es mitunter schneller schneit, als mir lieb ist. Und da ich eine fürchterliche Frostbeule bin, habe ich mir ein Paar Handschuhe gestrickt, die mich hoffentlich für eine lange Zeit schön warm halten:

Rainbow mitts by Drops Design

Rainbow mitts by Drops Design Ich bin sehr begeistert! Fair Isle stricken ist eine mitunter friemelige Anelegenheit, aber ich finde es spannend, wie durch ein genaues Abarbeiten eines 1/2 Musters so ein komplexes Design entsteht. Mal ehrlich, wer das kann, kann auch Software lesen.

Leider finde ich meine Woll-Wahl ungünstig. Im Einzelnen ist die dünne Merinowolle und die Wolle von Coburger Fuchs wunderbar, aber ich finde, das Muster kommt mit meiner Zusammenstellung viel zu wenig zu tragen. Schade! Vielleicht wäre es mit bunt/schwarz tatsächlich schöner gewesen. (Anmerkung: Auf Bildern allerdings ist das Muster deutlicher. WARUM?)

Dies hier sind die ersten Handschuhe, die ich gestrickt habe und wieder erlebte ich ein Phänomen, was ich schon oft bei mir erlebt habe: Ich wiederhole mich sehr ungern. Zweimal das selbe Objekt zu stricken, macht mich ganz…. kribbelig. Ich kenne das schon von Ärmeln an Pullovern, deswegen habe ich bei Matzes 3 in 1 auch asymmetrische Ärmel gearbeitet *lach* – Ich glaube, so bald werde ich mich nicht an Socken wagen und auch Stulpen oder dergleichen stehen erstmal nicht auf meiner Liste.

Rainbow mitts by Drops Design Rainbow mitts by Drops Design

So werde ich geduldig warten, bis Isabell Krämers Kinderpullover veröffentlicht werden. Seufz. Es liegt ja auch noch ein halber Hitchhiker hier, vielleicht sollte ich den mal wieder aufgreifen….