Die verstrickte Dienstagsfrage Woche 6/2015

Ups, da war es auf einmal Dienstag Nachmittag.

Ein erkältetes Kind und eines mit einem beinahe gebrochenen Zeh können mich durchaus ein wenig in die Bredouille bringen.

Doch hier ist sie 🙂 Die Dienstagsfrage und meine Antwort darauf:

Wie wichtig sind Dir beim Garnkauf Kriterien wie geprüfte Schadstofffreiheit, organisch, nachhaltige Herstellung, Fair Trade u.ä.?
Achtest Du auf entsprechende Gütesiegel?

Nun, Stammleser*innen dieses Blogs kennen die Antwort schon. Nichts desto trotz erkläre ich gern nochmal, warum uns diese Frage so wichtig ist.

tl;dr: Am besten regional und bio, aber wenn es “sein muss”, dann mulesingfreie Schurwolle aus Südamerika. No-Go: alles aus Australien. Spinnfasern kommen aus Europa.

Wie wichtig ist mir die “Geschichte des Garns”?

Extrem wichtig. So wichtig, dass ich einen Großteil handelsüblicher Garne gänzlich ablehne zu kaufen.

Wir versuchen hier, ein möglist plastikfreies Leben zu führen. Das bedeutet nicht, dass wir alles aus Jute, Holz und Schnörkeleien haben, mitnichten. Doch kann man in vielen, vielen Aspekten des Alltags natürliche Alternativen zu Plastik verwenden. Für das, was einen Großteil meiner geringen Freizeit bestimmt (stricken, spinnen), sind mir also Fasern von Schafen und anderen Fasertieren lieb. Bei Mischungen setze ich, wenn es sein soll, auf maximal halbsynthetische Fasern. Doch eigentlich weiß ich zu wenig über die ökologischen Randbedingungen, die die Synthese von Bambusfasern, Sojaseide,  und anderen mit sich bringen und setze, wenn ich die Wahl habe, auf ausschließlich Tierhaare zur Verarbeitung.

Im besten Fall wurden diese dann so artgerecht wie möglich gehalten. Schafe in Wanderschäfereien zum Beispiel. Hier liebe ich die Wolle vom Finkhof oder der Schäferei Drutschmann, die ist sogar aus kontrolliert biologischer Tierhaltung.

Ich denke aber, dass es viele Schafhalter*innen gibt, die keine Zertifizierung haben und ihre Tiere dennoch gut und richtig versorgen. An so einem Siegel (auch andere Gütesiegel zur Schadstoffbelastung) hängt in der Regel auch eine nicht geringe Gebühr, die sich so manch kleiner Betrieb einfach nicht leisten kann oder will.

Fast ebenso wichtig wie eine artgerechte Haltung ist mir Regionalität.  Wenn ich die Möglichkeit habe, rohe Alpakawolle aus der Umgebung zu bekommen, dann bin ich darüber natürlich mehr als verzückt. Die würde ich dann nicht aus Peru kommen lassen. Geht es mir aber darum, ein Kleidungstück aus möglichst gleichmäßiger Wolle herzustellen und soll es dazu noch “schnell gehen”, dann kaufe ich auch mal industrielles Garn, natürlich! Wenn es finanziell gerade machbar ist, ist fairAlpaka erste Wahl, aber auch Drops Wolle kommt aus Peru und die Alpakas dort werden in der Regal ganz vernünftig behandelt. Über den Stress beim Scheren kann man sich streiten, aber auch hier vertraue ich erstmal den Leuten, die tagtäglich mit den Tieren Umgang haben.

Was ich gänzlich ablehne ist Wolle, von der ich nicht weiß, aus welcher Region sie kommt. Viele industrielle Sockenwollhersteller geben nicht bekannt, wo ihre Schurwolle herkommt. Steht nichts da, wird nicht geantwortet, dann gehe ich davon aus, dass australische oder neuseeländische Merinowolle verarbeitet wurde. Das freiwillige Verbot, auf Mulesing zu verzichten ist mir schlicht zu wenig. Australische und neuseeländische Wolle will ich nicht. Punkt.

In Südamerika wird kein Mulesing betrieben. Diese Wolle hat eine sehr ähnliche Feinheit zur australischen und stellt somit eine Alternative für mich dar, wenn ich ein bestimmtes Garn brauche. Drops zum Beispiel beziehen ihre Merinowolle aus Südamerika. Malabrigo und Rosy Green auch, um mal ein paar bekannte Hersteller zu nennen.

Bei Spinnfasern setze ich auf Wollknoll als Lieferanten. Hier habe ich immer sofort Antwort bekommen, bei allen Nachfragen zur Herkunft der Spinnfasern und Garne. Sie beziehen ihre Schurwolle aus Südamerika. Spinnfasern interessieren mich eigentlich nur europäische, da braucht man den ökologischen Fußabdruck nicht unnötig belasten. Falkland, Milchschaf, Eiderwolle, BFL, Gotlandwolle… Die Vielfalt ist groß. so groß, dass Australmerino oder Polwarth für mich gestrichen sind.

Ich glaube, das reicht um zu ahnen, was bei uns geht und was nicht. 🙂

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