Der Beweis, dass wahre Schönheit auch bei Wolle nicht immer offensichtlich ist.

Es war einmal, vor nicht allzu langer Zeit, ein Strang aus Fasern des Merinoschafes. Dieser wurde warm gebadet, und ein Zauber aus Pigmenten verwandelte ihn aus einem schlichten, ausdrucklosen weiß in eine Explosion aus Farben. Zitronengelb, sonnenwarm, mit Nuancen von Mandarin, zu apfelrot, glutrot hin zu einem tiefen, dunklen violett. So wunderschön war er, dass er der glücklichste Strang aller Zeiten war.

Seine Freude war so groß, dass er sich kurze Zeit eng umschlang, mit sich selbst tanzte und im heissen Wasser schamm.

Da geschah es. Die 13. Fee (egal, die ist es immer) sah, wie wunderschön und glücklich die Fasern waren und verhexte die Pigmente, wieder auszutreten, in die heissen Wassermoleküle zu springen und sich zu mischen. Grau, braun, fleckig, dreckig, verdorben und schlaff war er nun, wurde angeschrien vor Frust, von Kindern ausgelacht, als “verrottende Bananenschale” verhöhnt.

Traurig und still lag er zum Trocknen nun da. Niemand wollte ein Bild von ihm machen, niemand schätzte und streichelte ihn. Niemand flocht ihn zu einem Band, was in der Sonne glänzte.

Bis ihn ein Ritter entdeckte. Vielleicht war es auch ein Holzfäller, Handwerker oder ein Künstler. Vielleicht auch ein besorgter Vater oder ein kluger Kopf, der es versteht, hinter die offensichtliche Fassade zu schauen und das Wunderbare im Menschen in Fasern zu entdecken.

Dieser nahm den alten, fleckigen Strang an sich, teilte ihn und begann, die einzelnen Fasern aufzulösen. Er erkannte, dass all die wunderbaren Farben noch vorhanden waren, nur etwas versteckt. Behutsam lockte er sie hervor, Drehung um Drehung.

Und so wurde aus einer verrottenden Banane etwas, was erst nur der edle Finder zu sehen vermochte und nun alle vereint:

Farbverlauf Farbverlaufsgarn auf Haspel

Ein wunderschöner, brillanter, unendlich schöner Strang aus fabelhafter Wolle.

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3 thoughts on “Der Beweis, dass wahre Schönheit auch bei Wolle nicht immer offensichtlich ist.

  1. Oh, die Kammzüge sehen toll aus. Aber damit kann ich so gar nichts anfangen. 😦 Nein, ich werde nicht spinnen lernen. Ich mache genug anderen Kram. 😉 Wenn ihr also mal Garn im Angebot habt, schau ich gerne wieder rein.

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